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Die Wetterwarte auf dem Hohen SonnblickDas Sonnblickobservatorium am
Goldberg
in Rauris
Ignaz Rojacher und die Wetterwarte auf dem Hohen Sonnblick Die Meteorologie war in den Achtzigerjahren des 19. Jhdts. noch eine ziemlich junge Wissenschaft. Aber die fortschreitende Entwicklung der Erforschung von Klima und Wetter hat die Erforschung der Vorgänge in den höheren Luftschichten zu einer unabweisbaren Notwendigkeit gemacht. Gerade zu dieser Zeit wurde der österreichische Meteorologe Julius Hann, der sich mit seinen Untersuchungen über den Föhn, die Meteorologie der Alpengipfel und die Abnahme der Temperatur in der Höhe einen Namen gemacht hatte, vom internationalen Meteorologenkongress in Rom mit dem Referat über die Höhenobservatorien betraut. Primär der Tatkraft von Ignaz Rojachers dem letzen Goldknappen von Rauris, ist es zu verdanken, dass auf dem Gipfel des Hohen Sonnblicks (3.106 m) das höchstgelegene Gipfelobservatorium Europas errichtet wurde. Anno 1879 empfahl Hann dem zweiten internationalen Meteorologenkongress mehrere Anträge zur Annahme. Besonders betonte Hann die Notwendigkeit der Errichtung vollständig ausgerüsteter Observatorien auf dominierenden Berggipfeln und die Veröffentlichung der dort angestellten Beobachtungen in einer Form, welche sie allen Meteorologen zugänglich macht und gestattet, dieselben für Probleme nutzbar zu machen, welche unter Umständen in Zukunft auftauchen würden. Hann vertrat damals die Meinung, es sei sinnvoll, ein aus internationalen Mitteln subventioniertes Observatorium auf einem Schweizer Berggipfel zu errichten. Darüber hinaus forderte Hann, als Direktor des österreichischen Beobachtungsnetzes, in den Alpenländern fortlaufende Beobachtungen auf hochgelegenen Punkten in den Alpen einzurichten, so auf der Schmittenhöhe, am Untersberg, am Radhausberg und auf anderen. Hierzu einige Impressionen des Hohen Sonnblick
Ignaz Rojacher wurde zum Wegbereiter der Wetterwarte Dazu schreibt Obermayer in seiner
1893 in Wien erschienenen Arbeit "Die
Beobachtungsstation auf dem Hohen Sonnblick, ihre Anlage, ihre
Entwicklung und ihre Kosten": "Die an die Vorschläge Hann's
sich knüpfende Agitation hatte einen überraschenden
und unerwarteten Erfolg, sie führte zur Entstehung einer
Station auf dem Hauptkamm der Alpen und der höchsten Station
in Europa überhaupt. Schon im Herbst 1884 hatte der
Besitzer des Gewerkes am Rauriser Goldberge, Herr Ignaz Rojacher, an
den Central-AusschuB des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins
seine Geneigtheit ausgesprochen, bei dem Knappenhause in einer
Höhe von 2340 m eine meteorologische Station zu errichten,
wenn ihm die Instrumente hierzu leihweise überlassen
würden. Auf die bezügliche Mitteilung des Zentral-Ausschusses des Deutsch-Österreichischen Alpenvereines an die Direktion der k. u. k. Zentral-Anstalt für Meteorologie hatte letztere nicht gezögert, sich mit Rojacher in direkte Verbindung zu setzen und ihm die Instrumente, vorläufig zur Errichtung einer Station dritter Ordnung, zu überlassen. Im Dezember war auch die Station
schon eingerichtet; die zweckmäßige Aufstellung der
Instrumente beim Knappenhaus bereiteten aber große
Schwierigkeiten, und die Temperaturbeobachtungen erwiesen sich wegen
Isolationseinflüssen als kaum verwendbar; auch die
Niederschlagsmessungen scheiterten an den bekannten Schwierigkeiten der
Schneemessung in großen Höhen. Der unmittelbare Anstoß
zur Errichtung eines Gipfelobservatoriums auf dem Hohen Sonnblick kam
aber weder von Hann, noch von Dr. Wilhelm Ritter von Arlt oder von
Rojacher, sondern vom damaligen Bezirkshauptmann in Zell am See, F.
Eberle. Dieser Herr Eberle war es, der Rojacher dazu aufmunterte, allen
Schwierigkeiten zum Trotz auf einem der Gipfel der Goldberggruppe eine
Wetterwarte einzurichten. Nach langen, reiflichen
Überlegungen und gestützt auf einige speziell zu
diesem Zwecke unternommenen Besteigungen des Herzog Ernst, des Rauriser
Scharecks und des Hohen Sonnblicks im Winter, wobei die
Schneeverhältnisse und die Vereisung dieser Gipfel studiert
wurden, gelangte Rojacher zu der Überzeugung, dass der
Sonnblickgipfel die einzige günstige Lösung biete.
Schon allein von der Form des abgeplatteten Kegels bot sich dieser
Gipfel an, darüber hinaus war er einer in besonders
dominierender Lage. Finanzielle Probleme Als Folge der Geländeuntersuchungen durch Rojacher kam es in Zell am See zu einer Sitzung, an der Bezirkshauptmann Eberle und Dr. Martin, der Zeller Bürgermeister, teilnahmen. Rojacher legte seine Pläne vor und Ende 1885 erhielt Hofrat Hann von Dr. Martin einen Brief. Darin heißt es u.a.: "Anliegend übersende ich Euer Hochwohlgeboren eine Zuschrift des Ihnen wohl schon bekannten Bergwerksbesitzers Rojacher, vlg. Kolm-Naz, zur gütigen Einsicht. Ich
habe ein Duplikat desselben dem
Central-Ausschuß des Deutsch-Österreichischen
Alpenvereins, der sich der Sache wärmstens annehmen wird,
eingesendet und ersuche Euer Hochwohlgeboren mir bekannt geben zu
wollen, ob die meteorologische Zentral-Anstalt in der Lage
wäre, etwas zur Errichtung einer solchen Station zu tun und
was? Ich glaube, das Projekt dürfte der Beachtung wert sein. In dem
"Kolm Saigurn, 28.
Jänner 1885" datierten ausführlichen
Schriftstück Rojachers wurde der Plan der Errichtung einer
meteorologischen Station auf dem Hohen Sonnblick ausführlich
dargelegt und es wurden auch die Vorteile genannt, welche jener Gipfel
für den beabsichtigten Zweck bot. Rojacher sicherte in dem
Schreiben seine "energische, mehrseitige Unterstützung bei
einer eventuellen günstigen Aufnahme dieses Projektes zu" und
ersuchte, dasselbe mit ins Werk setzen zu dürfen. Wie schon des
öfteren in
Österreich, so war auch zu dieser Zeit die finanzielle
Situation prekär. Die k. u. k. Zentral-Anstalt für
Meteorologie und Erdmagnetismus verfügte über keine
Mittel, um ein derartiges Unter- nehmen, das den Bau eines Hauses zur
Vorbedingung hatte, selbst in Angriff zu nehmen. Hilfe kam vom
Deutsch-Österreichischen Alpenverein (DÖAV), dessen
Central-Ausschuß sich in Salzburg bereit erklärt
hatte, sich an dem Unternehmen zu beteiligen. Der ewige Verhinderer: das k. u. k. Aerar Als die Wetterwarte nicht bereits im Sommer 1885 gebaut werden konnte, ist die Schuld des k. u. k. Aerar. Sich in irriger Weise im Besitz des Sonnblickgipfels vermeinend, knüpfte das Aerar eine Reihe von Bedingungen an die Errichtung des Hauses, wodurch der Baubeginn nicht nur verzögert, sondern verhindert wurde. Als dann die Sache endlich aufgeklärt werden konnte, war es wieder einmal zu spät. Des Staates Mühlen mahlen langsam, zu langsam. Als endlich die Bauerlaubnis vorlag, lag auf dem Sonnblickgipfel bereits Schnee, zu viel Schnee. Der Winter 1885/86 hatte seinen Einzug gehalten.
Der Rauriser Rojacher war ein Mann der Tal Er ließ sich nicht entmutigen und ließ das Holzhaus vorerst in Kolm Saigurn fertig stellen und probeweise aufstellen. Dann begab er sich nach Wien, um die am Sonnblick aufzustellenden Apparate genauer kennenzulernen und sich über die Obliegenheiten einer Station erster Ordnung ZU informieren. Zur Sturheit ärarischer Beamter und der Geldknappheit gesellte sich ein drittes Problem: das schlechte Wetter. Der Juni 1886 gehörte zu den kältesten und niederschlagreichsten Junimonaten seit Dezennien. Aber auch die Juli- und Augustwitterung blieb ungünstig. Eine große Hilfe war der ursprünglich nur für den Erztransport bestimmte Schrägaufzug. Rojacher hatte die noch aus der Zeit des ärarischen Bergbaues stammende Aufzugsmaschine ausgebaut. 1832 waren bereits das Maschinenhaus und der dahinterliegende Bruchhof errichtet worden, der 1.422 Meter lange "Aufzug" selbst wurde 1833 erbaut, und seit 1834 war die Bahn in Betrieb. Die zu schwach dimensionierten "Reißbäume" machten schon in den ersten Jahren umfangreiche Reparaturarbeiten notwendig. Rojacher ersetzte das Hanfseil durch ein 15 Millimeter dickes Drahtseil und legte ein elektrisches Läutewerk zwischen Kolm (1600 m) und der Bergstation (2177 m) an. Das Maschinen- oder Radhaus der Bergstation war wie noch heute Ruinen bezeugen aus Steinen aufgemauert und barg die Radstube mit von Gletscherwasser gespeistem Kehrrad, das einen Durchmesser von elfeinhalb Meter hatte und auf einer 1 Meter dicken Welle aufsaß, die ihrerseits die 2 Meter breite Seiltrommel trug. Die Wägelchen der Aufzugsmaschine bestanden aus einem massiven Balkenrahmen mit einem relativ niedrigen, aufgesetzten Kaste, der etwa 800 kg "Pochgang" fasste. Auch für den
Personenverkehr wurde der Aufzug herangezogen. Der hannoversche
Eisenbahn-Direktor meinte zwar anlässlich einer Fahrt mit dem
nicht gerade vertrauenerweckenden Vehikel, dass der Aufzug keine
Lebensversicherungsanstalt sei, aber selbst ängstliche
Gemüter vertrauten sich dem seltsamen Gefährt an, und
wenn sich wirklich allzu Besorgte scheuten, in ein Wägelchen
einzusteigen, dann meinte Rojacher stets in seinem urigen Pinzgauer
Dialekt: "So fahr' halt i mit, da wer'n ma mitanander hin. Zu einer vor Aufregung zitternden
Dame setzte Rojacher einmal den Pfarrherrn von Bucheben, der ebenfalls
auf den Berg wollte, mit der Bemerkung: "Iazt feit si nix, bald da
Poscht- moasta zum Himmel mitfouscht, do wird Eahna der Tuifel do
nöt hol'n. " Im Jahre 1888 wurde der Touristentransport mit
dem Aufzug behördlich verboten. Die "chinesische Mauer" am Hohen Goldberg Rauris Vom
Maschinenhaus baute Rojacher einen Steindamm für die
sogenannte Bremsbahn, von wo eine nahezu horizontale Schleppbahn, deren
Trasse heute ebenfalls noch deutlich zu erkennen ist, zum 2.340 m hoch
gelegenen Knappenhaus führte. Den
Transport des gesamten
Materials für die Wetterwarte besorgten die Knappen Rojachers
im Akkordlohn. Das in Kolm Saigurn wieder de- montierte Holzhaus wurde
mit Hilfe des bestehenden Schrägaufzuges von Kolm Saigurn zum
Maschinenhaus (unweit des heutigen Schutzhauses Neubau) aufgezogen und
dort gestapelt. Ein Teil des Materials wurde vom Maschinenhaus
über dem Bremsberg (sogenannte "chinesische Mauer" ) zum
Bremshaus und weiter auf der von Rojacher angelegten Werksbahn zum
Knappenhaus geführt. Bei diesem Grubenhaus in 2340 m
Höhe übernahmen die Träger die Bauteile und
schleppten die Balken über den Gletscher, der damals vom
Neuner-Bolfach weit herabkam. Von dort ging es weiter über den
Gletscherboden zwischen dem unteren und dem oberen Graupeten Kees. Nun
folgte die Querung der Seitenmoräne des Goldberggletschers bis
zum Zuflussgletscher des Niederen Sonnblicks. Hier musste ein sehr
steiles Schneefeld überstiegen, dann der Ostgrat
überschritten und der Gletscher gegen den Bockpalfen
überquert werden. Wie die Knappen das Haus auf den Gipfel schleppten Nach Obermayer ging eine andere Partie der Träger vom Maschinenhaus zur Zunge des Goldberggletschers, die damals zum Teil aper und sehr steil war, stieg auf derselben an und erreichte auf diesem Weg die Moräne beim Zuflussgletscher vom Niederen Sonnblick. Um auf dem einen oder anderen Weg zum Bockpalten unterhalb der Brettscharte zu kommen, sind zwei bis zweieinhalb Stunden Gehzeit notwendig. Vom Sonnblickgipfel herab hatte Rojacher einen Aufzug aus einem alten Drahtseil, einer kleinen Seiltrommel und einem Schlitten improvisiert, ein Aufzug, der in der Nähe des Bockpalfens endete. Mit Hilfe dieses primitiven Aufzuges über den völlig verschneiten Südabhang des Gletschers wurde das Material zur Sonnblickspitze gezogen. Viele Gegenstände aber, wie beispielsweise die Einrichtung der Zimmer, wurden den ganzen Weg, also dreieinhalb Stunden weit, getragen, manche Träger sollen auch den Ostgrat des Sonnblicks zum Aufstieg gewählt haben, der zwar den kürzesten Weg zum Gipfel darstellt, aber eine nicht ungefährliche Klettertour über wild durcheinander liegende, mächtige Steinblöcke ist. " Wegen der auffallenden Zerklüftung, II schreibt Obermayer, "welche der Gletscher im Sommer 1887 zeigte, dachte Rojacher übrigens daran, über den Ostgrat einen Weg zu führen, was allerdings ganz gut möglich wäre... An günstigen Tagen ist es auch vorgekommen, dass Träger zweimal den Weg vom Maschinenhaus zur Sonnblickspitze zurücklegten. Die Eröffnung des Observatoriums Hoher Sonnblick In seinem bereits oben zitierten Aufsatz, der im 1. Jahresbericht des Sonnblick-Vereines für das Jahr 1892 erschienen ist, notierte Obermayer: "Am 1. September abends wurde in Kolm Saigurn für den Eröffnungstag des Hauses, ein Programm vereinbart, welches auch Bestimmungen über den Transport der bereits zahlreich eingetroffenen Festgäste enthielt. Die Auffahrt mit dem Schrägaufzug von Kolm zum Maschinenhaus begann am 2. September bereits kurz nach Sonnenaufgang. Jeweils zwei Ehrengäste wurden, begleitet von zwei Knappen, in den Erzwägelchen in zwölf Minuten über die 1500 m lange Strecke hochgezogen. Damit waren die ersten 580 Höhenmeter des Anstieges von 1550 auf 3106 m überwunden. Zehn Minuten dauerte das Herablassen des Wägelchens. So konnten pro Stunde etwa 12 Personen befördert werden. Es waren jedoch so viele Gäste gekommen, dass einige durch den Maschingraben zu Fuß aufsteigen mussten. Gletscherspalten waren auf dem Sonnblick- Südhang keine offen, so dass alle ohne Seil gehen konnten. Auch von der Kärntner Seite kamen Besucher über den Kleinen Fleißgletscher. Idealisten bewahrten Rojachers Erbe Im Laufe ihrer Geschichte war der Bestand der Wetterwarte mehrmals gefährdet. Ein Jahr nach dem Tod Rojachers (1844 bis 1891) erging der erste Notruf ins Land. In Wien formierte sich der Sonnblick-Verein, dessen idealistische Mitglieder Rojachers Erbe bewahrten. Der Verein hat bis heute seine Pflicht dem Haus gegenüber treu erfüllt. Eine arge Krise trat ein, als eine ausländische Bergbaugesellschaft bei ihrem Abzug anno 1897 alle Anlagen sinnlos zerstörte. Heute würde man von einer
Demolierung industriearchäologisch wertvoller
Denkmäler sprechen. Warum die Bergbaugesellschaft einen
derartigen Vandalenakt setzte, konnte bis dato nicht geklärt
werden, denn durch die Sprengung des Maschinhauses wurde der gesamte
Bergbaubesitz erheblich entwertet. Mit dem bei der Abtragung des
Schrägaufzuges gewonnenen Holz wurde das Werkhaus in Kolm und
das Knappenhaus auf dem Hohen Goldberg beheizt. Von nun an war die
Versorgung des Wetterwartes mit Proviant und Brennmaterial
überaus schwierig. Träger mussten alle Güter
auf ihrem Rücken von Kolm Saigurn aus hochschleppen. Bald wurde dem Observatorium das
Zittelhaus angebaut. Nach seinem Zubau anno 1910 gehörte es zu
den schönsten Hütten des DäAV. Dem
Alpenverein ist es auch zu danken, dass Zittelhaus und Wetterwarte
elektrisches Licht bekamen.
Bedeutende Sonnblick-Beobachter Der 52-jährige Bergknappe Simon Neumayer war der erste, der es wagte und damit bewies, dass ein Mensch auf der Spitze des Hohen Sonnblicks einen Winter überleben könne. Nach einem fürchterlichen Südsturm vom 7. bis 11. November 1886, der auch das Telefon zerstörte, galt er als tot. In den Zeitungen standen bereits Nachrufe. Auf ihn folgte ein anderer Bergmann, Peter Lechner, der von 1887 bis 1894 Beobachterdienste leistete. Er hatte selbst unter Rojacher bei Bau der Wetterwarte und des Zittelhauses mitgeholfen. Zum Teil aus eigenen Mitteln rettete er das Observatorium nach dem frühen Tode Rojachers über eine kritische Zeit hinweg. Sein
offenes, ehrliches und
ungeschminkt raues Wesen erregte in manchen Kreisen, speziell bei
Touristen Missfallen. Von 1894 bis 1901 lebte der
schwergeprüfte, oftmals ungerecht angefeindete Exbeobachter
auf dem Langreithhof im Seidlwinkltal. 1885 wurde er bei einem
Raufhandel in Wörth schwer verletzt. Er hat dann das
"Langreithgütl" verkauft und ist in das Lechner-Haus beim
"Steinkasten-Gütl' (Bucheben Nr. 49) an der
Ausmündung des Krumlbaches in die Hüttwinklache
gezogen, wo ihn seine Frau Sephi bis zu seinem Tode pflegte. Beim
Lechnerhäusl wurde,
bedingt durch Lechners Übersiedlung, ein kleines
Wetterbeobachterhäuschen mit den erforderlichen Instrumenten
eingerichtet. Lechners letzte Gedanken galten dem Sonnblick. Parallel
zur Beobachtungsstation beim Lechnerhäusl wurde die Errichtung
einer meteorologischen Station III. Ordnung im Mölltal in
Erwägung gezogen. Warum es damals nicht dazu gekommen ist,
darüber schweigt die Chronik. Dem Beobachter Adam Waggerl folgte 1897 Johann Moser aus Heiligenblut, ein bekannter Glocknerführer. Leider starb er bereits am 6. September 1898 im Beobachterzimmer auf dem Sonnblick-Gipfel einen einsamen Tod. Nun wurde Georg Hasenknopf angestellt, gleichzeitig aber auch Alois Sepperer aus Rosenberg bei St. Peter im Mölltal in Kärnten, zunächst einmal allerdings bei Peter Lechner in Bucheben. Nach
einer zweiwöchigen
Einschulung im Gipfelobservatorium setzte man Sepperer auf die
Warteliste. Erst im Mai 1898 wurde er in die Gipfelwetterwarte berufen.
Im Oktober 1899 löste er Hasenknopf ab, wo er bis 1905
arbeitete. Makarius Janschütz wurde 1899 als zweiter
Beobachter angestellt. 1899 wurde auch die Rojacherhütte
eingeweiht. Die Feier wurde durch ein Unglück
überschattet: Georg Zembacher, der Standlwirt aus
Wörth, stürzte auf dem Kleinen Sonnblickkees
tödlich ab. Alois
und Christian Sepperer, die
"Rosenberger" genannt, zeichneten sich "durch ganz besondere
Tüchtigkeit bei der Unterstützung wissenschaftlicher
Arbeiten" aus. So zumindest formulierte es Josef Bend ! in seinem Buch
"Der Sonnblick ruft". Das Protokoll der Generalversammlung des
Sonnblick-Vereines vom 23. März 1901 erhärtet diese
Aussage: "Die Beobachtungen auf dem Sonnblick sind durch Alois Sepperer
und dessen Bruder Christian zur vollsten Zufriedenheit der
Zentralanstalt für Meteorologie geführt worden, und
dadurch haben die Sonnblickbeobachtungen wieder ein höheres
Maß an Verlässlichkeit gewonnen. Sepperer und Lechner Die Kündigung des in Meteorologenkreisen hochgeschätzten Alois Sepperer zugunsten des vom Alpenverein favorisierten Josef Külbel fiel den Fachleuten von Sonnblick-Verein und Zentralanstalt schwer. Hofrat Dr. J. M. Perntner schrieb Alois Sepperer anlässlich der Kündigung ein belobigendes Schreiben, in dem er die "ganz außergewöhnliche Zufriedenheit" mit seiner Dienstleistung betont, "Genauigkeit und Verlässlichkeit der Beobachtungen" sowie "Eifer und Dienstfertigkeit gegenüber den Beamten" lobt und seinem Wunsch Ausdruck verleiht, dass er bald Gelegenheit findet, seine Dienste als Beobachter "andererwärts" wieder zu verwenden. Külbel wurde durch Dr. Valentin sechs Wochen lang eingeschult und in den Dienst eingeführt, kurz danach kündigte der Newcomer. Christian Sepperer überbrückte die Zeit bis zum Arbeitsantritt von Alexander Lechner aus Mayrhofen, der bedingt durch den Abgang Christian Sepperers sich in einer schwierigen Situation befand. Erst als dieser seinen Onkel Johann Lechner nachkommen ließ, gestaltete sich die Lage günstiger. Im Dezember 1906 kam es zu einer Tragödie am Sonnblick Am 4. Dezember war Alexander Lechner, vom Sonnblick kommend, auf dem Postamt in Rauris eingetroffen, um eine Kiste mit meteorologischen Beobachtungen abzuschicken. Noch am selben Tag kehrte er nach Kolm zurück und sollte am 5. Dezember in der Wetterwarte eintreffen. Die Köchin Elisabeth Noel ließ sich trotz eindringlichster Warnungen Johann Lechners nicht abhalten, ihrem Chef entgegenzugehen. Heftiges Schneetreiben hinderte Alexander daran, aufzusteigen. Doch auch die Köchin kam nicht mehr zurück. Sie erfror unweit der Rojacherhütte und wurde in Bucheben beerdigt. Viele gaben ihr Leben für den Sonnblick Er war ein schlichter Rauriser Zimmermann, arbeitete als Knappe unter Rojacher und machte in den Jahren 1908 bis 1916, sowie 1918/19 und 1922/23 Dienst als Wetterwart: Matthias Mayacher. Er rettete das Observatorium über die harten Jahre des Ersten Weltkriegs hinüber, musste aber im September 1919 aufgeben, weil die Gemeinde Rauris zu arm war, ihn verpflegen zu können. Der Heiligenbluter Matthias Brandstätter und dessen Bruder folgten ihm im Dienst. Mayacher starb 1925. Von 1923 bis 1933 versahen Leonhard und Marianne Winkler den schweren Dienst. Erwähnenswert ist die Übergabe des Sonnblick-Observatoriums der österreichischen meteorologischen Gesellschaft an den Sonnblick-Verein, der durch die deutsche Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft der Wissenschaften in Berlin von 1926 an eine nennenswerte finanzielle Unterstützung für den weiteren Betrieb des Höhenobservatoriums erhielt. Am 21. März 1928 kostete ein Lawinenunglück dreizehn jungen Schifahrern das Leben. Ende der Zwanzigerjahre wurde das von Oberingenieur Tritschel ausgearbeitete Sonnblick-Seilbahnprojekt diskutiert, aber leider nicht realisiert. Im November 1933 verletzte sich Leonhard Winkler schwer und starb. Von ihrem Bruder Hans Mühlthaler unterstützt, führte die Witwe den Dienst noch mehrere Monate weiter. Dann löste Louise Mühlthaler ihre Schwägerin ab. Hans Mühlthaler kündigte 1939. Während des Zweiten Weltkrieges versahen Ferdinand Mayr und Friedl Fleissner vlg. Ging gemeinsam mit dem Ehepaar Georg und Maria Rupitsch Dienst auf der Wetterwarte. Schon im September 1942 hatte die Luftwaffe die Betreuung des Observatoriums Übernommen. Friedl Fleissner, Bergführer aus Heiligenblut, wurde von der Front zurückbeordert und auf den Sonnblick abkommandiert. Als das Ehepaar Rupitsch verunglückte, unternahm er unter Lebensgefahr einen vergeblichen Rettungsversuch. Georg und Maria Rupitsch ereilte am 9. November 1944 der weiße Tod, sie wurden in Heiligenblut beerdigt. Wie das kam, schildert Friedl Fleissner jun., der Sohn des damaligen gleichnamigen Beobachters: "Es war Allerheiligen 1944. Maria Rupitsch fuhr mit den Schiern nach Kolm Saigurn ab, um Erledigungen zu tätigen. Das Wetter war am nächsten Tag noch einigermaßen, so stieg sie gegen Mittag in Richtung Sonnblick auf. Zuvor verständigte sie ihren Mann Georg per Funk, dass sie unterwegs ist. Georg befahl ihr rasch zu gehen, er wollte ihr entgegenkommen, es stand ein Wetterumsturz bevor. Gegen 16.00 Uhr fuhr er ihr entgegen, das Wetter hatte sich zu dieser Zeit bereits sehr verschlechtert, es fing an zu schneien und ein starker Sturm kam auf. Da das Ehepaar bis 19.00 Uhr nicht ankam, machte sich Friedl Fleissner auf die Suche, kam aber nur bis ca. 200 m unterhalb der Wetterwarte. Er hing noch eine starke Lampe auf den Turm, um sicher zu sein, wieder zurückzufinden. Er musste die Suche abbrechen, da er kein Licht mehr sah, es gab einen Temperatursturz von 20 Grad mit orkanartigem Sturm und hatte Selbst Schwierigkeiten, wieder zur Wetterstation zurückzufinden. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Friedl Fleissner hoffte, dass das Ehepaar Rupitsch in der Rojacherhütte untergekommen war oder Richtung Kolm-Saigurn umgekehrt sei. Als am nächsten Tag kein Lebenszeichen kam, verständigte Fleissner die Bergrettungsstelle Heiligenblut. Die Bergführer Valentin Unterkircher, Josef Lackner, Ernst Keller und Josef Kellner begaben sich am 2. Tag auf die Suche und fanden beide zwischen Tramerkopf und Brettscharte auf Salzburger Seite, ca. 50 m von- einander entfernt, sie waren erfroren. Da Maria ihren Hund immer mit hatte, konnte man feststellen, dass sich die beiden getroffen hatten. Der Hund wurde, an den Rucksack von Georg angebunden, aufgefunden. Die beiden Toten wurden nach Heiligenblut gebracht, im sogenannten, Festenhäusl', das ihnen gehörte, aufgebahrt und am Ortsfriedhof beigesetzt. Der Sonnblick ruft! Die schwierigste Zeit für das Observatorium kam mit Kriegsende, denn der Sonnblickverein stand ohne Barmittel da und war jedweder Geldquellen beraubt. Hier muss Dr. H. Mesal, ehemaliger Oberregierungsrat im einstigen Reichswetterdienst, genannt werden, der die Vertreter der amerikanischen Besatzungsmacht für die Weiterführung der Warte motivierte. Mit einem Seilbahnbau wurde im Herbst 1946 begonnen, konnte aber erst im darauffolgenden Jahr in Betrieb genommen werden. Im strengen Winter 1946/47 mussten die Beobachter aus der Luft versorgt werden. Die Amerikaner warfen Kohle und Kartoffel ab, wobei manche Säcke platzten und die Kohlestückchen weit über den Gletscher verstreut wurden. Die 1947 fertiggestellte Notseilbahn von Kolm zum Gipfel brach im August 1949 zusammen. Das Ende des Observatoriums schien nahe zu sein. Allein die Trägerkosten erreichten 1950 60.000 Schilling. Der vom Sonnblick-Verein ausgesandte Notruf verhallte nahezu ungehört. Erst in letzter Stunde sprangen die Schulkinder rettend ein und nur dadurch wurde der Weiterbestand des Observatoriums endgültig gesichert. Auf Initiative des Fachlehrers Edmund Bendl wurde eine erfolgreiche Sammelaktion unter den Wiener Schulkindern eingeleitet, die letztlich vermehrt um Spenden Privater mit staatlicher Hilfe dazu führte, dass in der Folge die wichtige Materialseilbahn gebaut werden konnte. Am 22. Oktober 1949 heiratete der Sonnblick-Wetterwart Hermann Rubisoier die Preimistochter Genovefa Granögger aus Heiligenblut, die damit zweiter Wetterwart wurde. Im Sommer 1954 wurde das Ehepaar Rubisoier auf eigenen Wunsch in die Wetterdienststelle Salzburg versetzt. Als neue Beobachter kamen Josef Bernhard aus Döllach und Johann Edthofer aus Mattighofen. Im Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/58 wurde ein StrahIungsmessturm erbaut 1961 feierte man das 75-jährige Bestehen der Wetterwarte im Markt Rauris mit einem historischen Umzug. Dort fand auch eine meteorologische Tagung statt, anschließend begab sich die Festgesellschaft nach einer Nächtigung in Kolm Saigurn zu Fuß hinauf auf den Sonnblickgipfel. Zur 90-Jahrfeier anno 1976 wiederholte sich das Umzugs-Spektakel, das auch im Film " Tauerngold" dokumentiert wurde. Nach umfangreichen Planungsarbeiten begannen 1981 die Arbeiten am Neubau des Observatoriums. Ohne massiven Hubschraubereinsatz wäre der Bau nicht zu realisieren gewesen. Zur Hundertjahrfeier wurde nach mehrjähriger Bauzeit das neue, modernst ausgestattete Observatorium auf dem Sonnblick eröffnet. Aus Anlass dieses runden Jubiläums wurde auch eine Ausstellung arrangiert, die in Wien, Salzburg und Rauris zu sehen war. |
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