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Die Geschichte des Rauriser Tauerngoldes 

Ausflug zum Goldwaschen ins Tal der Geier und Adler - Rauris - Österreich

 



Ausflug in die Geschichte des Goldberbaus in Rauris
 

Vor etwa 4000 Jahren wurde das Tauerngold entdeckt, der Fund einer Serpentin-Lochaxt läßt darauf schließen, daß schon in der Jungsteinzeit in den Hohen Tauern nach Gold gegraben wurde. Auch Kelten und Römer kannten und nützten die Gold-, Silber- und Bleivorkommen rund um Kolm Saigurn und das Rauriser-Tal.
 

Ende des 13. Jahrhunderts begann die Hochblüte des Goldbergbau im Bereich Rauris-Kolm Saigurn. Der Name Kolm Saigurn allein sagt schon viel über die Nähe und den Bezug zum Bergbau aus. Kolm entstand aus dem mittelhochdeutschen Wortstamm "Kolben", also ein Ort wo eine Kolbenstatt war und Erz gestoßen bzw. zerkleinert wurde. Zu dieser Zeit der Rauriser Goldgewinnung, wurden 10% (zehn Prozent) des Weltvorkommens an Gold im Rauriser Tal gewonnen.
 

Saigurn ist wahrscheinlich slawischen Ursprungs, denn Kärntner Slawen besiedelten in der Vorzeit als erste Menschen kontinuierlich das Rauriser-Tal und "Saigoro" bedeutet im slawischen "Hinterberg" (Tal hinterm Berg).
 

Am Ende des 14. Jahrhunderts waren in Salzburg erstmals in großem Umfang Goldgulden aus Tauerngold geprägt worden und noch um die Wende zum 16. Jahrhundert wurde das Land als das "Peru der alten Welt" bezeichnet. So wuchs Rauris als Vorort zum Talschluß zu einer mittelalterlichen Großsiedlung mit über 3000 Bewohnern heran.
 

Mit dem Abzug der Römer in der Völkerwanderungszeit kam die Arbeit in den Goldgruben gänzlich zum Erliegen. Im Jahre 719 sollen alle Bergbaue im Sonnblickgebiet wieder geöffnet worden sein. Im 12. Jahrhundert wurde das Tauerngold als Münzmetall nachweislich verwendet. Ob Kelten und Römer ihre Münzen aus "Tauerngold" fertigten, lässt sich nicht beweisen. Auf Grund der Gussformen für Goldbarren vom Magdalensberg spricht die Wahrscheinlichkeit dafür.
 

In der Folgezeit wurde das Tauerngold zu einem der wichtigsten Münzmetalle im alpenländischen Zahlungsverkehr. Die Herzöge Albrecht II., Rudolf IV., Albrecht III., die Grafen von Görz und der Salzburger Erzbischof Pilgrim II. prägten Goldmünzen aus dem in den Tauernbergen geförderten Metall, vornehmlich den Florentiner Prägungen ähnliche Goldgulden. Münzstätten waren Salzburg, Lienz und vor allem Judenburg, wo die Babenberger das Tauerngold vermünzten.
 

Die Verhältnisse im Goldbergbaugebiet ähnelten in der Frühzeit in vielem jenen, die einige Jahrhunderte später am Sacramento oder am Klondyke herrschten. Neben den legalen Goldwäschern gab es Hunderte, die illegal nach dem Gold gruben und einander die Beute streitig machten. Für das Jahr 1031 sind Zusammenrottungen von Knappschaften verbürgt, die erst nach blutigen Metzeleien niedergeschlagen werden konnten. Öfters kam es vor, dass die Bergleute diesseits und jenseits des Tauern einander wechselweise überfielen, die Knappen erschlugen, die Gruben zuwarfen und das vorrätige Erz mit sich schleppten.
 

Hochblüte des Tauerngoldes in Rauris
 

Zur ersten mittelalterlichen Hochblüte des Tauerngoldbergbaues kam es in der zweiten Hälfte des 14. Jhdts. Für diese Zeit kann, so vermuten Experten, eine durchschnittliche Jahresgewinnung von 50 Kilogramm Gold angenommen werden. Zur Hochblüte der Rauriser Goldgewinnung, wurden 10 Prozent der Goldproduktion in der Goldberggruppe geschürft.

Zahlreiche Spuren des historischen Bergbaus zeigen sich heute noch in greifbarer Nähe: Dutzende Stollen, teilweise verfallene Knappenhäuser, das Radhaus (2161m), eine Waschanlage, das Bremser-Häusl (2331m) und andere Reste der Bergmannszeit sind heute auf dem "Rauriser Tauerngold-Rundwanderweg" zu sehen. Vom Neubau herab war eine Sachzieherriesen angelegt, der Bocksamsteig ging von Kolm in das Ritterkar und zur Goldzeche hinauf.
 

Laut der Geschichtsschreibung wurden in der Zeit von 1450 bis 1570 in diesem Gebiet ca 830Kg Gold gewonnen. Federführend zur damaligen Zeit waren unter anderen die Gewerkenfamilien Weitmoser und Zott. Der durch den Goldbau reich gewordene Hans Weitmoser (+1601) stattet seine 4 Töchter mit einer Mitgift von 80.000 Goldgulden aus wodurch ihnen eine Heirat mit den Häusern Fugger, Freysing, Khevenhüller und Windischgrätz ermöglicht wurde.
 

Der Goldabbau und der damit verbundene Wohlstand erregte auch die Aufmerksamkeit der Salzburger Erzbischöfe und Landesherren. Am 09.April 1616 wurde dazu ein Domkapitel verfasst und die Zukunft des Montanwesens neu geordnet. Darin beschrieben wurde der Vorschlag zum Aufkauf des „Lender Handel“ (Privater Handel) durch die Erzbischöfe und Landesherren. Dies auch deshalb, da man so auch die ungeliebten protestantischen Gewerken los wurde. So wechselte 1618/19 das neue Ärar an das Erzbistum Salzburg. Ärar war damals die Bezeichnung für die Wirtschaftsbetriebe des Staates.
 

Die Hochblüte des Goldbergbau war allerdings zu dieser Zeit schon vorbei und die Fördermengen von vorigen Jahrhundert wurden nie mehr erreicht. Auch die 1804 erfundene Aufzugsmaschine brachte keinen entscheidenden Durchbruch mehr.
 

Die erste Aufzugmaschine fand 1833 im nahe liegenden Kolm-Saigurn ihre Anwendung und erleichterte den personalintensiven Sackzug zu Tal und den teuren Bergtransport von verschiedensten Betriebs- und Bedarfsartikeln hinauf auf höher gelegene Stollen.
 

In Kolm-Saigurn (Endtal von Rauris) wurde diese Aufzugsmaschine eingesetzt und sollte den Bergtransport von Betriebs- und Bedarfsmitteln erleichtern. Auch der personalintensive Sackzug wurde durch die Maschine ersetzt.
 

Das grundlegende Produktionsschema bleib jedoch über viele Jahrhunderte gleich. Das reinen und unreine Erz wurde aus den Bergwerkstollen heraus transportiert und das unreine Erz durch Pochen, eine Form des Mahlens, zerkleinert und gewaschen. Eine weitere Trennung wurde durch die sogenannte Amalgamation erreicht wobei beim Schmelzvorgang Quecksilber zugesetzt wurde und so bei der letzten Stufe die berühmten Goldkugeln hervorgebracht wurden.
 

Danach wurde das so genannte Quickgold noch einmal geglüht und gepresst, und nachdem es den Zustand des Waschgoldes erreicht hatte, konnte es auch schon der Vermünzung zugeführt werden. Die fortgeschrittenen Produktionsprozesse waren zum Großteil an gewisse Verarbeitungsstätten, so genannte Schmelzhütten, gebunden, was oftmals einen weiten Transport des Erzes bedeutete. Es musste zuerst aus dem Berg herausbefördert werden und dann hinunter in das sich in den Jahrhunderten immer weiter entfernende Tal.



Die Geschichte des Knappenalltags in Rauris
 

Die Lebensbedingungen der Bergarbeiter vom 16. bis zum 19. Jahrhundert waren zwangsläufig gewissen Veränderungen unterworfen. Von echter Kinderarbeit, also der gezielten Ausbeutung kindlicher Arbeitskraft, konnte im Bergbau der Hohen Tauern allerdings nie gesprochen werden. Vielleicht hatte im 16. Jahrhundert auch die überaus hohe Kindersterblichkeit – 50 Prozent der geborenen Kinder erreichten ihr erstes Lebensjahr nicht – dazu beigetragen, den eigenen Nachwuchs langfristig etwas schonender zu behandeln.

Die Knappen waren mit wenigen Ausnahmen fest in die bäuerliche Lebenswelt eingebunden, ihre Arbeitszeit variierte erheblich, der Lohn reichte, um sich an den Feiertagen den wenigen Abwechslungen, meistens dem Wirtshaus, hinzugeben. Urlaub kannten sie keinen, doch bestand ein gewisser Ausgleich durch die damalige hohe Zahl der christlichen Feiertage, sodass die durchschnittliche Zahl der Arbeitstage im Jahre 1871 bei ungefähr 270 Tagen lag.
 


Geschichte des Rauriser Bergbau im 19 Jahrhundert
 
Bis zum Jahre 1875 betrieb der Staat den Goldbergbau in Rauris. Wohl eher um der armen Bevölkerung Arbeit zu geben als Gewinne einzufahren. Diese Ansicht vertrat zumindest die Salzburger Handelkammer der damaligen Zeit.
 

Im Jahre 1889 kam das Bergwerk über den ehemaligen Besitzer Ignaz Rojacher an den Belgier Eduard Graf Rottermund, der es jedoch nicht betrieb und zwei Jahre später an die französische „Société française des mines d’or du Goldberg“ veräußerte.
 

Noch eine letzte Wende und einen wichtigen Hoffnungsträger im Rauriser Goldbergbau verkörperte der am 23. April 1844 geborene Ignaz Rojacher. Mit zwölf­einhalb Jahren kam er bereits zum Bergbau. Am hohen Goldberg diente er als Truhenläufer.
Die Geschichte des letzten Goldgräber von Rauris Ignaz Rojacher 
  

Ignaz Rojacher, nun nicht mehr Pächter, sondern rechtmäßiger Besitzer, bescherte der Zeit einige weitere bedeutende Innovationen wie den so genannten Bremsbergaufzug, er forcierte das Wirtsgeschäft, die Telefonverbindung und das Postwesen. Zudem gilt er als einer der Gründerväter für das heute noch bestehende Wetterobservatorium am Hohen Sonnblick (3.104 Meter) ein. Die Geschichte von Ignaz Rojacher und der Hohe Sonnblick hier lesen.
 

Das Jahr 1888 wird sein Schicksalsjahr, und nach immer größer werdenden Einbußen im Goldabbau suchte sich Ignaz Rojacher nach einem Käufer um. Als er diesen auch gefunden hatte, verstarb der tatkräftige wie eigenwillige Pinzgauer am 4. Jänner 1891 in Rauris.
Nach Planungen des renommierten Oberbergrates Joseph Posepny sollte noch einmal eine Produktion im großen Stil beginnen, doch scheiterte das Unternehmen nach nur vierjähriger Betriebsdauer.
 

Eine neue Interessengruppe, die „Goldberg Syndicate Limited“ mit Sitz in London, trat erst in Erscheinung, als es 1906 auf Betreiben des Pariser Gläubigers namens Maurice Buneau Varilla vor dem Salzburger Landesgericht zur Zwangsversteigerung kam. Der Franzose, der, als Überbieter des Wirtes Ammerer aus Taxenbach, den Zuschlag bekam, ließ später die verbliebenen Anlagen demontieren.
 

1930 verließ der letzte Knappe den Hohen Goldberg in Rauris. Obwohl in den Jahren 1980 noch einmal von amerikanischen Bergleuten Interesse am Goldabbau in Rauris bekundet wurde, wurde das Projekt nie realisiert da sich die Bürgermeister der betroffenen Gemeinde wegen der zu erwartenden umweltschädlichen Verfahren, gegen einen weiteren Goldbergbau aussprachen.

 

 

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